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Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
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Der Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base ereignete sich am 21. Januar 1968.cite-ref-dailymail-20081111-1-0[1] Bei diesem Unfall stĂŒrzte eine B-52 Stratofortress der United States Air Force (USAF) in der NĂ€he der Thule Air Base in Grönland ab. An Bord des Flugzeuges, das auf einer sogenannten âChrome-Domeâ-Mission unterwegs war, befanden sich vier Wasserstoffbomben des Typs B28. Ăber der Baffin Bay, westlich von Grönland, brach an Bord des Bombers ein Feuer aus, das die Besatzung dazu zwang, das Flugzeug zu verlassen. Von den sieben Besatzungsmitgliedern konnten sich sechs retten, eines wurde beim Ausstieg aus dem Flugzeug tödlich verletzt.cite-ref-2[2] Beim Aufprall des Flugzeugs wurden die konventionellen Sprengladungen der Atomwaffen ausgelöst, sodass die Umgebung u. a. mit hochradioaktivem Plutonium kontaminiert wurde.cite-ref-so-3-0[3]
DĂ€nemark (zu dem Grönland als autonomer Bestandteil gehört) und die Vereinigten Staaten von Amerika starteten eine groĂangelegte Such- und Dekontaminationsaktion, trotzdem konnten nicht alle Komponenten der vier Kernwaffen geborgen werden. Dies fĂŒhrte zu Medienberichten ĂŒber den angeblichen Verlust einer kompletten Waffe. Dies wurde aber durch eine dĂ€nische Untersuchung widerlegt.cite-ref-diis-4-0[4] Die als Vorbereitung fĂŒr einen atomaren Zweitschlag durchgefĂŒhrten âChrome-Domeâ-FlĂŒge wurden nach dem Unfall vom USAF Strategic Air Command ausgesetzt und fĂŒhrten zur Erneuerung diverser Sicherheitsvorschriften und Ănderungen an den Sprengköpfen der mitgefĂŒhrten Waffen.cite-ref-nukestrat-5-0[5]
Contents
âą Hobo 28
âą Flug
âą Absturz
âą Folgen
⹠EntschÀdigung
âą Filme
âą BĂŒcher
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Historischer Zusammenhang
1960 nahm das USAF Strategic Air Command (SAC) FlĂŒge im Rahmen der Operation Chrome Dome auf. Diese von General Thomas S. Power ins Leben gerufenen Missionen bedeuteten, dass mit nuklearen Waffen bestĂŒckte B-52 Stratofortress von ihren StĂŒtzpunkten in den USA aus bis an die sowjetische Grenze fliegen und sich stĂ€ndig zwölf Maschinen in der Luft befinden sollten. Im Falle eines eskalierenden Kalten Krieges sollten so sowohl ein offensiver Erstschlag als auch ein Zweitschlag â trotz bereits getroffener Basen in den USA â gegen die Sowjetunion durchgefĂŒhrt werden können.cite-ref-nukestrat-5-1[5]
1961 wurde der Auftrag um Hard-Head-Missionen ergĂ€nzt (auch als Thule Monitor Missions bezeichnet), die zur Thule Air Base geflogen wurden, um sicherzugehen, dass das auf Grönland stationierte Ballistic Missile Early Warning System (BMEWS) funktionsfĂ€hig war. Das BMEWS sollte anfliegende sowjetische Langstreckenraketen erkennen und rechtzeitige GegenmaĂnahmen ermöglichen und war ĂŒber ein Unterseekabel mit dem North American Aerospace Defense Command (NORAD) verbunden. Da dieses Kabel hĂ€ufig gestört war, sollten die B-52-Besatzungen visuell sicherstellen, dass die Station normal arbeitete und ansonsten offensiv zum Gegenschlag ĂŒbergehen.cite-ref-nukestrat-5-2[5]
US-Verteidigungsminister Robert McNamara erwog 1966, das Chrome-Dome-Programm wegen jĂ€hrlicher Kosten von 123 Millionen US-Dollar einzustellen, zumal die ĂberwachungsflĂŒge durch modernere Technik im BMEWS ĂŒberflĂŒssig geworden waren. Gegen diese Einsparungen regte sich von Seiten des SAC und der Joint Chiefs of Staff Widerstand, so dass die FlĂŒge zunĂ€chst nicht ausgesetzt wurden, allerdings nur mehr vier Flugzeuge stĂ€ndig in der Luft waren, davon eines auf Thule Monitor Mission. Zivile Behörden in den USA hatten ĂŒber die Fortsetzung des Programms keine Informationen, da das SAC diese unter Verschluss hielt. Die GefĂ€hrlichkeit der Chrome-Dome-FlĂŒge wegen der BestĂŒckung mit Nuklearwaffen war zu diesem Zeitpunkt bereits bei einem Absturz im spanischen Palomares 1966 zu Tage getreten.
Hobo 28
Flug
Am 21. Januar 1968 fiel die Aufgabe der Thule Monitor Mission einer Besatzung des 380th Strategic Bomb Wing zu, die auf der Plattsburgh Air Force Base im Bundesstaat New York stationiert war. Die Boeing B-52G Stratofortress mit der Seriennummer 58-0188 und dem Rufzeichen HOBO 28 hatte eine Minimumbesatzung von fĂŒnf Mann sowie einen zusĂ€tzlichen Navigator und einen dritten Piloten, die fĂŒr Thule-FlĂŒge obligatorisch waren. Kommandant der Maschine war Captain John Haug.
Der zusĂ€tzliche Pilot, Major Alfred DâMario, polsterte seinen Sitz vor dem Start mit drei Kissen, die direkt ĂŒber einer der BelĂŒftungsdĂŒsen an seinem Sitz platziert wurden. Der erste Abschnitt des Fluges, der Weg nach Thule, war unspektakulĂ€r, lediglich die automatische Luftbetankung an einer KC-135 Stratotanker musste von Hand durchgefĂŒhrt werden, da der Autopilot nicht voll funktionsfĂ€hig war.
Etwa eine Stunde nach der Luftbetankung â das Flugzeug hatte die Baffin Bay bereits erreicht â wechselten die beiden Copiloten ihren Platz. DâMario nahm nun den rechten Sitz ein. Da die Besatzung trotz voll aufgedrehter Heizung immer noch fror, öffnete DâMario ein Bleed Valve eines Triebwerks, sodass diesem aus dem Kompressor heiĂe Luft entnommen und in die Kabine geleitet wurde. Durch einen Fehler in der Heizung wurde die Luft dabei aber nicht heruntergekĂŒhlt und strömte so direkt auf die vor dem Start angebrachten Kissen. Etwa eine halbe Stunde spĂ€ter bemerkte eines der Besatzungsmitglieder Brandgeruch und begann, die Feuerquelle zu suchen. Nachdem der Navigator die Quelle ausgemacht hatte, begann er, das Feuer mit zwei Feuerlöschern zu bekĂ€mpfen, was ihm allerdings misslang.cite-ref-6[6]
Absturz
Um 15:22 Uhr EST erklĂ€rte Haug schlieĂlich Luftnotlage und bat bei der Luftraumkontrolle von Thule darum, eine Notlandung auf dem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt durchfĂŒhren zu dĂŒrfen. Nach fĂŒnf Minuten waren alle fĂŒnf Feuerlöscher an Bord verbraucht, gleichzeitig fiel der Strom aus und das Cockpit fĂŒllte sich immer weiter mit Rauch. Nachdem die Besatzung die Instrumente nicht mehr ablesen konnte, befahl Haug der Besatzung, sich auf einen Absprung vorzubereiten. Sobald das Flugzeug sich ĂŒber dem Festland befand, retteten sich sechs der sieben Besatzungsmitglieder; Copilot Leonard Svitenko wurde bei dem Versuch, aus einer Luke das Flugzeug zu verlassen, tödlich am Kopf verletzt.cite-ref-7[7]
Das nun unbemannte Flugzeug flog zunĂ€chst kurz in nördlicher Richtung weiter, drehte dann nach links und stĂŒrzte in einem Winkel von etwa 20 Grad etwa 12,1 Kilometer westlich der Thule Air Base um 15:39 Uhr EST auf in der North Star Bay treibendes Eis. Beim Aufprall lösten die mit konventionellem Sprengstoff versehenen ZĂŒnder aus, so dass das in den Bomben enthaltene radioaktive Material, Ă€hnlich einer radiologischen Waffe, um die Absturzstelle verteilt wurde. In den Tanks befanden sich zu diesem Zeitpunkt etwa 225.000 engl. Pfund Kerosin, die ebenfalls sofort Feuer fingen und das Eis, auf dem das Flugzeug abgestĂŒrzt war, langsam zum Schmelzen brachten. Nach sechs Stunden sanken das Wrack und mit ihm die Munition auf den Meeresboden.cite-ref-es-8-0[8]
Rettungsaktion und erste Suche nach dem Wrack
Haug und DâMario landeten an ihren Fallschirmen auf der Air Base und alarmierten sofort den Flugplatzkommandanten, dass sich mindestens sechs Besatzungsangehörige hatten retten können und dass das Flugzeug vier Nuklearwaffen an Bord gehabt hĂ€tte. Sofort begann eine groĂangelegte Suchaktion, zunĂ€chst vor allem nach den vier verbleibenden Besatzungsmitgliedern. Die Amerikaner wurden dabei durch einen Vertreter des grönlĂ€ndischen Handelsministeriums, Jens Zinglersen, unterstĂŒtzt. So konnten drei weitere Personen innerhalb von zwei Stunden gerettet werden, sie befanden sich weniger als 2,4 Kilometer von der Basis entfernt. Lediglich Captain Criss, der als Erster das Flugzeug verlassen hatte, trieb 21 Stunden auf einer Eisscholle, bevor er gefunden wurde. Er war stark unterkĂŒhlt und ĂŒberlebte nur, weil er sich in seinen Fallschirm eingewickelt hatte.cite-ref-es-8-1[8]
FĂŒr seine Hilfe bei der Rettung der Besatzung erhielt Zinglersen am 26. Februar 1968 vom amerikanischen Botschafter die Air Force Exceptional Civilian Service Medal.cite-ref-cphpost-9-0[9]
Die Suche nach Wrackteilen war weniger erfolgreich. Direkt nach dem Absturz und dem Versinken des Wracks konnten lediglich sechs der acht Triebwerke, ein Reifen und kleinere Teile gefunden werden. Die US-StreitkrĂ€fte kategorisierten den Unfall mit dem Codewort âBroken Arrowâ als einen Unfall mit Atomwaffen.cite-ref-cphpost-9-1[9]
Bergung (Projekt Crested Ice )
Die Explosion verteilte TrĂŒmmer des Flugzeugs und der Bewaffnung auf etwa 8 kmÂČ. Teile des Bombenschachts wurden mehr als drei Kilometer entfernt vom Aufschlagpunkt gefunden, woraus geschlossen wurde, dass das Flugzeug schon in der Luft begann, auseinanderzubrechen. SĂŒdlich vom Aufschlagpunkt war das Eis stark kontaminiert worden, zum einen von ausgeflossenem und verbranntem Kraftstoff JP-4, zum anderen von den aus den Sprengköpfen ausgetretenen radioaktiven Elementen Americium, Plutonium, Uran und dem Wasserstoff-Isotop Tritium. Die Menge an Plutonium wurde teilweise mit 380 mg/mÂČ gemessen.cite-ref-so-3-1[3]
Amerikanische und dĂ€nische Behörden leiteten deshalb sofort MaĂnahmen ein, um die Ausbreitung radioaktiver Stoffe einzudĂ€mmen und die TrĂŒmmer zu finden und zu entsorgen. Dieses Unternehmen bekam den Namen Project Crested Ice (etwa: âerklommener Eisbergâ, teilweise auch als Dr. Freezelove bezeichnet). Erschwert wurden die Anstrengungen durch das Wetter. Die Temperaturen lagen bei lediglich â40 °C und fielen zeitweise auf â60 °C, dazu kamen Winde von bis zu 40 m/s. Bis zum 14. Februar 1968 herrschte auf dem Breitengrad Thules dazu noch die Polarnacht, was die Suche zusĂ€tzlich behinderte.cite-ref-dailymail-20081111-1-1[1]
Nahe der Absturzstelle wurde ein StĂŒtzpunkt eingerichtet, Camp Hunziker, benannt nach General Richard Hunziker, der die Bergung leitete. Von der Thule Air Base aus wurden zwei Wege zum Camp angelegt, das aus Iglus, Generatoren, Kommunikationseinrichtungen und einem Heliport bestand, so dass 24 Stunden an der Absturzstelle gearbeitet werden konnte. Nach der Bergung wurde das verseuchte Material auf DrĂ€ngen der dĂ€nischen Regierung in die USA gebracht; nach Aussage von General Hunziker konnten etwa 93 % des angefallenen radioaktiven MĂŒlls geborgen und entfernt werden. Am 13. September 1968 war Crested Ice offiziell abgeschlossen, die Kosten wurden auf etwa 9,4 Millionen US-Dollar geschĂ€tzt. Mehr als 70 US-Behörden mit 700 Spezialisten waren an dem Projekt beteiligt.
Kontroverse um die Zahl der geborgenen Bomben
| Nuklide | Halbwertszeit | Strahlungstyp |
|---|---|---|
| Tritium | 12 Jahre | Betastrahlung |
| 234 Uran | 250.000 Jahre | Alphastrahlung |
| 235 Uran | 700 Millionen Jahre | Alphastrahlung |
| 238 Uran | 4,5 Milliarden Jahre | Alphastrahlung |
| 239 Plutonium | 24.000 Jahre | Alphastrahlung |
| 240 Plutonium | 6.600 Jahre | Alphastrahlung |
| 241 Plutonium | 14 Jahre | Betastrahlung |
| 241 Americium | 430 Jahre | Alpha-/ Gammastrahlung |
GegenĂŒber der Ăffentlichkeit war behauptet worden, alle vier nuklearen Sprengköpfe der B28-Bomben seien geborgen und entsorgt worden. 1987â1988 sowie erneut 2000 erschienen in der dĂ€nischen Presse jedoch Artikel, die behaupteten, dass eine der vier Bomben an Bord der B-52 nicht geborgen worden war. Das SAC hingegen hatte 1968 behauptet, alle vier Bomben seien beim Absturz zerstört und die Ăberreste geborgen worden. 2008 erschien in der BBC ein Artikel, der sich teilweise auf als geheim eingestufte Berichte aus der Zeit kurz nach dem Absturz berief und aussagte, dass man nur bei drei Bomben sicher sei, dass sie geborgen seien. William Chambers, amerikanischer Nuklearforscher, sagte dazu:
âThere was disappointment in what you might call a failure to return all of the components [âŠ] it would be very difficult for anyone else to recover classified pieces if we couldn't find them.â
âEs gab EnttĂ€uschung darĂŒber, dass wir nicht alle Komponenten bergen konnten. [âŠ] es wĂŒrde fĂŒr andere sehr schwierig werden, geheime Teile zu bergen, wenn wir sie nicht finden wĂŒrden.â
â
William Chambers
Im August 1968 kam ein Mini-U-Boot zum Einsatz, das weitere Ăberreste der Bomben auffinden sollte. Eine ungleich gröĂere Suche war 1966 vor der spanischen KĂŒste angelaufen, nachdem eine B-52 mit einem Tankflugzeug zusammengestoĂen war â eine der Bomben war 80 Tage lang verschollen gewesen. Wegen diverser Defekte wurde die Suche mit der Star III nach relativ kurzer Zeit wieder eingestellt, sodass nicht das gesamte in Frage kommende Gebiet nach einer eventuell nicht geborgenen Bombe abgesucht werden konnte. Diverse Behördendokumente sowie eine Anhörung der US-amerikanischen Atomenergiebehörde erhĂ€rten den Verdacht, dass einer der vier Sprengköpfe noch immer auf dem Grund der Baffin Bay liegt.cite-ref-dailymail-20081111-1-2[1]
Als Konsequenz der Medienberichte beauftragte der dĂ€nische AuĂenminister im Jahr 2009 das Danish Institute for International Studies (DIIS) mit der Anfertigung eines Berichtes zum Absturz.cite-ref-diis-4-1[4] Dabei sollte das DIIS untersuchen, ob die 348 beschafften Dokumente (rund 2.000 Seiten), welche der BBC-Reporter Corera fĂŒr seine Reportage im Jahr 2008 verwendete, Informationen enthielten, welche vom Inhalt der seit 1986 von US Department of Energy freigegebenen 317 Dokumente abwichen. Der Bericht mit dem Titel The Marshalâs Baton â There is no bomb, there was no bomb, they were not looking for a bomb âDer Marschallstab â Da ist keine Bombe, da war keine Bombe, sie haben nicht nach einer Bombe gesuchtâ, kommt zu dem Schluss, dass alle vier Bomben beim Aufprall zerstört wurden. Die von den USA angegebene Menge von aufgefundenem Plutonium stimmt in etwa mit jener aus 4 Kernwaffen ĂŒberein. Ebenso wurden andere Bombenkomponenten von allen 4 Waffen geborgen, wie z. B. die Deuterium-Tritium-Tanks sowie die FallschirmbehĂ€lter, so dass der Verlust einer kompletten Waffe auszuschlieĂen sei. Eine wichtige Komponente einer Waffe wurde jedoch nicht gefunden, wobei es sich vermutlich um den stabförmigen Kern aus hochangereichertem Uran der Fusionsstufe (âSpark Plugâ) handelte. Dieser soll unter Wasser gesucht, aber nicht gefunden worden sein.
Folgen
Chrome-Dome -FlĂŒge
Nach dem Absturz von Hobo 28 begann die Diskussion ĂŒber die Chrome-Dome-FlĂŒge erneut. Innerhalb von zwei Jahren war dies der zweite Absturz mit scharfen Nuklearwaffen gewesen. Der Wissenschaftler Scott Sagan beschrieb, dass bei einem Absturz von Hobo 28 auf das BMEWS die Gefahr eines nuklearen Krieges bestanden hĂ€tte. Da die Verbindung zur Station und dem Flugzeug abgerissen wĂ€re, hĂ€tte NORAD von einem nuklearen Erstschlag der Sowjetunion ausgehen können, da nur noch eine instabile Verbindung ĂŒber ein Unterwasserkabel verfĂŒgbar gewesen wĂ€re. Die USA erkannten dieses Problem und ersetzten die Kabelverbindung 1974 durch eine Satellitenverbindung.
DarĂŒber hinaus vereinbarte man am 30. September 1971 mit der Sowjetunion, sich ĂŒber UnfĂ€lle mit Nuklearwaffen in Zukunft sofort ĂŒber den âHeiĂen Drahtâ auszutauschen, um das Risiko eines âunbeabsichtigtenâ Krieges zu verringern.
Die sofortige Einstellung der Chrome-Dome-FlĂŒge nach dem Unfall von 1968 spiegelte auch den Trend von bemannten AtomwaffentrĂ€gern weg hin zu Interkontinentalraketen (ICBMs) wider. Schon seit 1964 machten diese ICBMs die Mehrheit im Nuklearwaffenarsenal der US-StreitkrĂ€fte aus.
Sicherheitsbestimmungen im Umgang mit Nuklearwaffen
Wie schon beim Absturz einer B-52 in Palomares 1966 wurde auch beim Unfall in Thule offenbar, dass die Sicherung der Nuklearwaffen nicht ausreichend war, um einen Absturz auszuhalten. Bei beiden UnfĂ€llen war zwar keine nukleare Kettenreaktion ausgelöst worden, allerdings waren die instabilen konventionellen ZĂŒnder explodiert und hatten dadurch erst weitreichende SchĂ€den in der Natur verursacht.
Bei Untersuchungen der Kernwaffen nach dem Absturz stellte man auĂerdem fest, dass die elektrischen Schaltungen in den Waffen bei GewalteinflĂŒssen zu unvorhersehbaren KurzschlĂŒssen neigten. Daraufhin begann man stabilere ZĂŒnder sowie feuerfeste GehĂ€use fĂŒr nukleare Waffen zu entwickeln, um den Umgang mit den Waffen sicherer zu machen.
1979 wurde ein neuer konventioneller Sprengstoff fĂŒr die ZĂŒnder verbaut, der im Los Alamos National Laboratory entwickelt worden war. Nach Aussage des Physikers Ray Kidder wĂ€re es mit dem als Insensitive High Explosive (IHE) bezeichneten ZĂŒnder bei den UnfĂ€llen von Thule und Palomares nicht zur Explosion der ZĂŒnder und damit auch nicht zu den radioaktiven Verschmutzungen gekommen.
EntschÀdigung
Unter den am Bergungsprojekt beteiligten ArbeitskrĂ€ften befanden sich auch dĂ€nische Arbeiter, die wegen zunehmender Todes- und KrankheitsfĂ€lle 1986 eine Interessengemeinschaft bildeten. Circa 2400 Personen, die sich in der Zeit von Januar bis September 1968 in der Gegend aufhielten (ausgenommen Wissenschaftler der dĂ€nischen Regierung und US-Personal), erhielten von der dĂ€nischen Regierung eine freiwillige EntschĂ€digung.cite-ref-10[10] Weitergehende AnsprĂŒche der dĂ€nischen ArbeitskrĂ€fte gegen die EuropĂ€ische Kommission wurden gerichtlich verneint.cite-ref-11[11]
Berichterstattung
In einem 2014 erschienenen Buch ĂŒber den ehemaligen Stern-Reporter Randy Braumann wird beschrieben, wie kurz nach dem Unfall die internationale Presse (20 US- und 20 europĂ€ische Medien) ĂŒber Kopenhagen zur US-Base nach Thule geflogen wurde, um sich die Unfallstelle anzusehen und offizielle Presseinformationen zu erhalten.cite-ref-12[12]
Filme
Im Jahr 2015 erschien der Spielfilm The Idealist â Geheimakte Grönland ĂŒber die Recherche des dĂ€nischen Journalisten Poul Brink, dem 18 Jahre nach dem Vorfall Ungereimtheiten bei der öffentlichen Darstellung auffielen.cite-ref-13[13]
BĂŒcher
Der 2024 erschienene Roman Strahlendes Eis von Michael LĂŒders greift den Absturz auf. Die Handlung verknĂŒpft historische Ereignisse mit einer fiktiven Geschichte um Klimawandel und geopolitische Konflikte in der Arktis.cite-ref-14[14]
Siehe auch
Weblinks
Commons
: Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base 1968
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
cite-note-dailymail-20081111-11. â Revealed: How U.S. left nuclear warhead lying at bottom of ocean after B52 crash in 1968. Daily Mail (11. November 2008) (archiviert).
cite-note-22. â Nathan Vanderklippe: The Crash, The Inuit, And The Bomb. uphere.ca (20. Oktober 2012).
cite-note-so-33. â chs: US-MilitĂ€r vermisst seit 40 Jahren Atombombe. Spiegel Online (12. November 2008).
cite-note-diis-44. â Svend Aage Christensen: The marshal's baton / Marskalstaven. In: DIIS Report. Nr. 2009/18. DIIS â Danish Institute for International Studies, Kopenhagen 2009, ISBN 978-87-7605-331-4 (Online [PDF]).
cite-note-nukestrat-55. â Hans M. Kristensen: The Airborne Alert Program Over Greenland. nukestrat.com.
cite-note-66. â Ronald E. Doel, Kristine C. Harper, Matthias Heymann (Hrsg.): Exploring Greenland. Cold War Science and Technology on Ice. Springer, 2016, ISBN 978-1-137-59688-8 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-77. â Jeffrey T. Richelson: Defusing Armageddon. Inside NEST, America's Secret Nuclear Bomb Squad. W. W. Norton & Company, 2009, ISBN 978-0-393-24406-9 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-es-88. â Eric Schlosser: Command and Control. Nuclear Weapons, the Damascus Accident, and the Illusion of Safety. Penguin, 2013, ISBN 978-1-101-63866-8 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-cphpost-99. â âBroken Arrowâ meets âErin Brockovichâ in âThulegateâ â at chemotherapists now! cphpost.dk (29. Juni 2016).
cite-note-1010. â Diana Wallis: Bericht zu den gesundheitlichen Folgen des Flugzeugabsturzes 1968 bei Thule (Petition 720/2002). Petitionsausschusses des EuropĂ€ischen Parlaments (20. April 2007).
cite-note-1212. â Peter Chemnitz: Ach los, ScheiĂ der Hund drauf! Das Leben des Stern-Kriegsreporters Randy Braumann. Weltbuch-Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-938706-43-5.
cite-note-1313. â Patrick Torma: Poul Brink: Journalist & Anwalt in The Idealist â Geheimakte Grönland (2015). journalistenfilme.de (10. Juni 2017).
cite-note-1414. â Rezension zu Strahlendes Eis von Michael LĂŒders. In: readingismywaytodream.blog. 15. Mai 2024, abgerufen am 12. August 2025.